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Gemeinde Marienwerder

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Ruhlsdorf - der Chronist erzählt Teil 2

Von zwei Episoden möchte ich aus unserer jüngeren Vergangenheit erzählen. Die eine ereignete sich im nationalsozialistischen Deutschland, dem 3. Reich. Frau Hagitte, Pfarrerstochter in Ruhlsdorf, erlebte 1934 folgende Geschichte und erzählt:

Ich war 6 Jahre alt und fragte meine Mutter: „Gibt es einen Teufel und wie sieht er aus?". Antwort: „Oh ja, es gibt ihn! Ich bin ihm schon oft begegnet!". „So mit Pferdefuß und Hörnern?" „Nein, aber ich zeige ihn dir bei Gelegenheit!". - Monate später NSDAP-Parteitag. Auf dem Dorfplatz Aufmarsch der SA, Hakenkreuzfahnen, auf dem Podium Gauleiter Hengstmann, redenschwingend. Wir kamen vorbei. Meine Mutter: „Sieh' den da oben, das ist ein Teufel! Aber von den anderen Braunhemden sind es nur die wenigsten!". Mein Vater war darüber entsetzt, gebot mir Schweigen und schilderte mir die Konsequenzen.

Die zweite Episode ereignete sich in der sozialistischen DDR. Ein älterer Ruhlsdorfer Bürger gab mir 1983 folgenden Zeitungsartikel von 1957 aus einer Westberliner Zeitung:

Die Überschrift lautet:

Berlin (dpa). Vor einiger Zeit sind, wie erst jetzt bekannt wird, die beiden
Pfarrer Hans Gerber aus Ruhlsdorf bei Bernau und Erich Bommel aus der Nachbargemeinde Prenden nach Westberlin gekommen und haben um
Asyl als politische Flüchtlinge" gebeten.

Die beiden Geistlichen hatten scharf gegen die Jugendweihe Stellung ge-nommen und waren daraufhin „wegen Staatsverleumdung" unter Anklage ge-stellt worden. Sie standen kurz vor ihrer Verhaftung.

Auf einer Versammlung der Gemeinde Ruhlsdorf, zu der auch viele Mitglieder aus der Nachbargemeinde Marienwerder erschienen waren, soll-ten sich die beiden evangelischen Geistlichen verantworten. Dabei traten die etwa 450 Versammelten spontan und tapfer für ihre Pfarrer ein. Zu der Versammlung war ein großes Aufgebot an Staats- und Parteifunktionären, darunter auch der Oberstaatsanwalt  aus  Bernau, erschienen.

Die Gemeindemitglieder forderten energisch, sie wollten den Namen des Denunzianten wissen. Als  das  abgelehnt   wurde, verließen Pfarrer und Gemeindemitglieder geschlossen die Versammlung.

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